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Weiße Front ist nicht gleich weiße Front – die kleine Materialkunde

Küchen setzen sich aus einer Vielzahl von Bauteilen und Einzelteilen zusammen. Optisch gesehen hat die Küchenfront eine hohe Bedeutung, symbolisiert sie doch den Gesamteindruck der Küchenplanung. Aber was steckt hinter den zahlreichen Fachbegriffen, die im Verkaufsgespräch oder im Angebot vermittelt werden?

Ihr Fachberater erklärt es Ihnen gern – hier finden Sie schon einmal die wichtigsten Vokabeln:

Experten-Tipps

Beim Postforming der Arbeitsplatte werden Holzwerk- bzw. Schichtstoffe wie beispielsweise Spanplatten mit einem durchgehenden Oberflächenmaterial beschichtet. Durch diese fugenlose Beschichtung der Flächen und Kanten entsteht eine durchgehende Oberfläche, auch um die Kante herum, die optisch sehr ansprechend ist und das Eindringen von Feuchtigkeit verhindert.

Durch den Einsatz einer Laserkante wird die Kante nahtlos mit der Platte verschweißt. Im Vergleich zur herkömmlichen Verklebung entfällt die Leimfuge, daher nennt man diese Verarbeitung auch die „optische Nullfuge“. Damit ist die hochwertige, fugenlose Optik wie aus einem Guss gemeint.

Melaminfront (Direktbeschichtung)

Vorteile: Melaminfronten erlauben eine besondere Vielfalt an Dekoren, unifarben durchgefärbt oder in Holzdekoren bedruckt. Die entstehenden Werkstoffe sind relativ preisgünstig, pflegeleicht und extrem widerstandsfähig und daher das optimale Material für Küchenmöbel.

Einsatzbereich: Front- und Korpusmaterial.

Produktionsprozess: Bei sogenannten Melaminfronten werden harzgetränkte Dekorpapiere mit Druck und Temperatur oben und unten auf Holzwerkstoffplatten (Span- oder MDF- Platten) in einem einteiligen Produktionsprozess aufgebracht. Beim Heißverpressen schmilzt die Melaminharzschicht zwischen Papier und Platte und bildet eine irreversible Verbindung. Strukturgeber in der Presse beeinflussen die Oberfläche. Diese kann feine Strukturen enthalten und ermöglicht so auch haptisch sehr gute Holzreproduktionen.

Schichtstoff-Fronten (Zweiteiliger Arbeitsgang)

Vorteile: Schichtstoff-Fronten sind extrem widerstandsfähig und robust, ebenfalls pflegeleicht und postformierbar und damit in der Vertikalen (Front) und der Horizontalen (N-Kante der Arbeitsplatte) fugenlos. Die Oberfläche ist mehrschichtig und somit dicker als
bei Melaminfronten. Dadurch ist der Werkstoff härter, porenlos und noch widerstandsfähiger als Melamin bzw. direktbeschichtetes Material. Zudem besteht die Möglichkeit der fugenlosen Verformung von Kanten, dem sogenannten Postforming. Hierbei wird durch Formpressen und Wärmestrahlung der Schichtstoff um die bereits gerundete oder profilierte Kante geformt.

Einsatzbereich: Front- und Arbeitsplattenmaterial.

Produktionsprozess: In einem zweiteiligen Produktionsprozess werden mehrere Lagen melaminharzgetränkter Dekor- und Kraftpapiere zu Schichtstoff verpresst und auf Holzwerkstoffplatten (Span- oder MDF-Platten) aufgebracht. Die Materialstärke des Schichtstoffs beträgt dabei bis zu einem Millimeter. Auch hier werden über Strukturgeber im Pressblech Oberflächeneffekte (von glänzend bis strukturiert) erzielt.

Folienfronten (glatt oder profiliert, zum Beispiel Lacklaminat)

Vorteile: : Folienfronten sind widerstandsfähig gegen Einflüsse in der Küche. Sie sind konkurrenzlos im Preis-Leistungs-Verhältnis und bilden damit eine attraktive optische Alternative zu Holz- und Lackfronten.

Einsatzbereich: Frontmaterial.

Produktionsprozess: Hier werden mehrere Lagen polymerer Werkstoffe heiß verpresst und danach lackiert, sowie geprägt. Eine Holzwerkstoffplatte – in der Regel MDF – wird vollflächig und an den Kanten mit dieser so entstandenen polymeren Folie ohne Rückstellungskräfte (keine „Orangenhaut“) ummantelt. Die Frontrückseite ist in der Regel in Kunststoff ausgeführt.

Acrylfronten

Vorteile: Acrylfronten bieten einen sehr hohen Glanzgrad sowie eine hohe Glanztiefe, die an Echtglas erinnert, jedoch leichter und preiswerter und mit normalen Holzwerkzeugen nachzuarbeiten ist. Mit Acrylfronten können auch sehr gut metallische Effekte erzeugt werden. Pflegeleichtigkeit zeichnet sich durch die Möglichkeit aus, leichte Kratzer einfach mit einer Politur wieder aufarbeiten zu können.

Einsatzbereich: Frontmaterial.

Produktionsprozess: Mehrere Lagen polymerer Kunststoffe ergeben ein Material mit einer Stärke von bis zu einem Millimeter. Die Deckschicht ist aus Acryl/PMMA/Plexiglas. Das Material wird vollflächig auf einer melaminbeschichteten MDF-Platte verklebt.

Lackfronten

Vorteile: Lackoberflächen können in großer Farbvielfalt in matt oder glänzend hergestellt werden. Sie sind Materialästhetik pur, strapazierfähig sowie leicht zu reinigen.

Einsatzbereich: Front- und Umfeldmaterialien.

Produktionsprozess: Bei Lackfronten wird MDF als Trägermaterial mit einer Melaminrückseite zunächst zugeschnitten und profiliert. Mehrere Lagen Grundier- oder Polyester-Lacke werden als Füller aufgetragen, zwischengeschliffen
und gehärtet.

Glasfronten

Vorteile: Glasfronten sind optisch ein wahrer Hingucker, bieten einen edlen Glanzgrad und sind sehr widerstandfähig. Die Glasplatte kann zudem vorher rückseitig lackiert oder digital bedruckt und mit einem Sperrgrund versehen werden.

Einsatzbereich: Front-, Nischen- und Arbeitsplattenmaterial.

Produktionsprozess: Trägermaterial ist eine Holzwerkstoffplatte, auf die eine Sicherheitsglasplatte aus vier Millimeter starkem ESG-Glas (Sicherheitsglas) geklebt wird. Für einen seitlichen Kantenschutz sorgt eine umlaufende Kante aus Acryl (PMMA oder auch Plexiglas). Die Produktion und Verarbeitung ist recht kostenintensiv.

Echtholzfronten

Vorteile: Natur pur, das sind Küchenfronten aus Holz. Holz ist ein natürlich gewachsener Rohstoff, der durch eine widerstandsfähige Lackierung oder Ölung seine natürliche Schönheit und Individualität behält. Jede Front ist ein Unikat und nie absolut vergleichbar.

Einsatzbereich: Front- und Umfeldmaterialien.

Produktionsprozess: Rahmenteile bestehen zumeist aus verleimtem Massivholz (Leimholz). Die Füllung und die Schubkastenvorderstücke werden überfurniert. Damit Rahmen und Füllung weitgehend vergleichbar aussehen, werden die Rahmen vorn und hinten ebenfalls überfurniert. Das Grundmaterial ist recht teuer und bewegt sich deshalb im oberen Preisgefüge der jeweiligen Modellgruppen.